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Mittwoch, den 03. Dezember 2008 um 07:23 Uhr
  Baeck, Leo (*1873 in Lissa/ Posen  1956 London/ England) Rabbiner Dr.
 

►Das Evangelium
Als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte

Überlieferungen – Die Begebenheiten – Die Sprüche und ihre Gleichnisse

Berlin: Schocken Verlag / Jüdischer Buchverlag 1938

Bücherei des Schocken Verlags / 87

altWortstimme:
Was für eines ist das erste Gebot von allen in der Tora?
Das erste ist: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einer.
Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen
und mit deiner ganzen Seele und mit allem, was in dir ist.“
Ein zweites ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Ein größeres anderes als diese gibt es nicht.
(Mk. 12: 28f)
 
Anm.:
(Zur Geschichte und Machart der Schocken Bücherei siehe den Eintrag bei >Buber / Rosenzweig!) --
23 Jahre später wurde dieses bis dahin einmalige Werk neu herausgegeben und in einem Sammelband mit folgendem Titel veröffentlicht:
 
 

Paulus, die Pharisäer und das Neue Testament
Frankfurt am Main: Ner – Tamid Verlag 1961


Anm.:
Dieses Buch enthält drei Aufsätze: „Der Glaube des Paulus“, „Die Pharisäer“, und o.g. Studie über das Evangelium. Das Vorwort schrieb Hans Lamm. Die Evangelientexte (synoptisch in Auswahl) sind orthographisch leicht korrigiert worden.

Zum Buch:
Baeck schreibt über Jesus den Juden im Kontext des zeitgenössischen Judentums. In seiner Beurteilung bleibt Baeck seiner jüdischen Glaubensüberzeugung treu. Er schreibt sein Buch für Juden und will Evangelium und Neues Testament als jüdisches Buch innerhalb der jüdischen Tradition verstanden wissen. Jesus’ Judesein, seine Auslegung der Torah und das von Schaul aus Tarsus propagierte Christentum haben Baecks Ansicht nach wenig Berührungspunkte. Jesus ist jüdischer Lehrer; jedwede Überhöhungen oder Messiasproklamationen im Neuen Testament seien späte Einschübe der ersten Christengemeinde, prophetische Worte sind Jesus nachträglich in den Mund gelegt. Man muss jedoch auch sehen, mit welchem „Christentum“ arisch-deutscher Art es Baeck während der Abfassung des Buches 1938 zu tun hatte. Jesus sollte seinen Platz innerhalb des Judentums behalten und nicht exiliert werden. Hier hat Baeck für das Judentum seiner Zeit sicherlich Pionierarbeit geleistet.

Zur Person:
Später zwar als Rabbiner der liberalen Richtung bezeichnet, hat er im Vaterhaus die jüdische Tradition in ihrem Tiefsten ernst zunehmen gelernt. Im 1. Weltkrieg war er Feldrabbiner. Bereits Anfang des 20. Jhd. trat er ins christlich-jüdische Gespräch ein, blieb aber zeitlebens kritisch interessiert dem christlichen Gedankengebäude gegenüber eingestellt. Sein frühes Werk „Das Wesen des Judentums“ (1906) war eine Antwort auf Adolf von Harnacks „Das Wesen des Christentums“. Baeck war Wissenschaftler und lehrte an der >Lehranstalt der Wissenschaft des Judentums<. Seine Hauptwerke sind: Wege im Judentum (Berlin 1933); Dieses Volk, Jüdische Existenz (2 Bände, Frankfurt / M.: EVA  1955 / 57), Aus drei Jahrtausenden (Tübingen 1958). In Jerusalem wurde 1955 das  Leo Baeck Institut gegründet. Anlässlich des Todes des >Grand Seigneurs< der untergegangenen deutschen Judenheit gab die Deutsche Bundespost 1956 eine 20 Pf. – Gedenkbriefmarke heraus.

 

 

 

 

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