►Das Evangelium nach Johannes
Nach dem Urtext übersetzt und erläutert von Dr. Curt Böttger
Pfullingen in Württemberg: Johannes Baum Verlag o.J. (ca. 1922/23)
Reihe: Evangelien der Seele 4.
Wortstimme:
"IM ANFANG IST DAS WORT,
UND DAS WORT IST IN GOTT,
UND GOTT SELBST IST DAS WORT.
Alle Dinge sind durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ward nichts, das geworden ist.
In ihm ist Leben, und sein Leben ist das Licht der Menschen.-
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
und die Finsternis kann es nicht auslöschen."
(Kunde vom Logos I: 1.3-4)
Zum Buch:
Der mit einem Pentagramm samt Titel "Neugeist" bewehrte kartonierte Oktavband aus den zwanziger Jahren bringt den Evangeliumstext - davon allerdings nur eine größere Auswahl- in Antiqua mit Kapitel- und Versangaben. Böttger begründet im Vorwort, das leider weder verortet oder datiert ist, unter anderem: "Weggelassen ist ferner alles, was für uns heute ohne Wert ist, also alles äußere und geschichtliche Beiwerk, vor allem die langatmigen Erörterungen zur Sabbatfrage. Der Zweck des Buches, innere Einkehr und Vergeistigung zu fördern, rechtfertigt das freie Schalten mit dem Zusammenhang." So ist die Kreuzigungsszene im 19. Kapitel z. B. komplett fortgelassen. Jesus ist am Kreuz von Golgatha (kurz und bündig; d. Red.) verschieden. - Der Text ist in 44 Kapitelüberschriften geordnet, fairerweise hat Dr. Böttger die alten Kapitel- und Versangaben beibehalten. Den nicht unbeträchlichen Textkürzungen steht viel Raum gegenüber, der Autoren jeglicher Coleur eingeräumt wird, die sinnfälliges zum Text beitragen konnten: der Häufigkeit nach vertreten sind folgende Namen: Bo Yin Ra (d.i. Josef Anton Schneiderfranken, *1876+1943), Harriette & F. Homer Curtiss, A. Schopenhauer, Mystiker jeder Richtung, Kirchenväter und auch fromme Christen wie Ludwig Schneller. Ausführlichere Zitate aus der Bhagavat Gita "bereichern" manche Evangeliumstexte. In der Nikodemus- Geschichte könnten ohne weiteres die Wege der Seelenwanderung nachvollzogen werden. Die Kommentare lesen sich flüssig und entbehren nicht einer gewissen Faszination. Orthodox christlich Gläubige werden dieses Buch aufgrund des darin vertretenen Gedankengutes als "New Age" beurteilen. Einiges, was sich darin findet, kann man jedoch heute in charismatischen Kreisen wiederentdecken.
Zur Ideologie und dem Verfasser:
Der Übersetzer Dr. Curt Böttger kann einer esoterischen Gruppierung zugeordnet werden, die, „Neugeist“ genannt, dem theosophischen Milieu entstammt. Der Johannes Baum Verlag im württembergischen Pfullingen war ab 1919 das deutsche Zentrum der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten herrührenden Bewegung "New Thought" (Ph. P. Quimby *1806 + 1866). Ziel war die Verinnerlichung und Vergeistigung des Menschen. Die Neugeistbewegung richtete sich vornehlich gegen den im 19. Jhdt vorherrschenden Materialismus. Ihr bekanntester Vertreter war Karl Otto Schmidt, Pseudonym "Hilarion" (siehe Artikel im BBKL). Der Verlag nannte sich auch „Prana-Verlag“ und gab u.a. eine Schriftenreihe heraus, die sich „Weiße Fahne“ titelte und mystisch- spirituelles, hinduistisches und neo-buddhistisches Gedankengut verbreitete. Er wurde während der Nazizeit geschlossen. Viel später wurde beim Hermann Bauer- Verlag, Freiburg i. B., eine Zeitschrift "esotera" herausgebracht, die die Nachfolge der "Weißen Fahne" antrat.- Böttger übersetzte etwa 1925 die Bhagavat Gita, den hinduistischen „Gesang des Erhabenen“, ins Deutsche. Über ihn wüßten wir gerne mehr.
Oben genannter Neugeistler Karl Otto Schmidt, Pseudonym "Hilarion" (*Laboe/ Holstein 26. Januar 1904 + 21. Dez. 1977 Reutlingen/ Württ.) veröffentlichte unter anderem folgenden Titel:
Das Thomas- Evangelium. Geheime Herren- Worte frühchristlicher Handschriften. Ergolding 1977