Wortstimmen:
"O Herr, du warst uns Zuflucht
Von Geschlecht bis zu Geschlecht!
Bevor die Berge wurden und gebildet war die Erde und ihr Umkreis,
Bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
O laß den Menschen nicht in Niedrigkeit versinken, —
Du sagtest ja: Bekehrt euch, Menschenkinder!
Denn tausend Jahre sind vor deinen Augen
Dem Tag von gestern, der nun entschwunden ist,
Wie eine Wache in der Nacht."
(Ps. 89 V)
Zum Buch:
"Die Bibel dem Volk! Das ist ein alter Ruf. Und doch ist er bisher vielfach wie in der Wüste verhallt. Wer dem Volke die Bibel geben will, der muß sie ihm in einer Fassung und in einem Gewande bieten, wie es der Würde des heiligen Buches und der Hochachtung unseres gläubigen Volkes vor dem Worte Gottes entspricht. Daß unsere katholischen Bibelausgaben diesen Forderungen bisher gerecht geworden wären, kann man wohl nicht behaupten. Jetzt aber besitzen wir ein Werk, vor dem jede Klage verstummen muß. Das Werk von Heilmann ist wirklich, was es sein soll, ein Volksbuch, und eine Freude ist es, ihm ein kurzes Geleitwort zu widmen. Beim Alten Testament hat der Verfasser eine weise Auswahl getroffen. Mit Recht! Denn die Fülle des Stoffes, die nebeneinander laufenden Doppelberichte, die häufigen dem Volke unverständlichen Aufzählungen legen eine Beschränkung nahe. Dagegen sind die Lehrschriften, namentlich die Psalmen und das Neue Testament, vollständig aufgenommen. Kurze Einleitungen führen in das notwendige Verständnis der einzelnen Bücher ein. Das Ganze ist reich gegliedert und mit Überschriften versehen. Am Schlusse finden sich jeweils Erklärungen, aber stets in knapper Form; jeder wissenschaftliche Apparat ist ferngehalten. ... In der sprachlichen Fassung ... hat Heilmann den goldenen Mittelweg gefunden: er wahrt nach Möglichkeit die eigenartige Kraft und Würde der Urform, wird aber auch dem modernen Sprachgebrauch vollkommen gerecht. Besondere Anerkennung gebührt der Wiedergabe der Psalmen, die von einem starken poetischen Empfinden und Können zeugen. Hier sind auch die Titel gut getroffen. ... Das Prachtwerk verdient in der Tat, auf jede Weise gefördert zu werden, damit es allmählich in die breiten Schichten des Volkes eindringe ... Das Buch kann auch unbedenklich der Jugend überlassen werden, da alle anstößigen Stellen ausgeschieden oder sehr diskret wiedergegeben sind.
(aus einer Besprechung von Heinrich Stieglitz (1868-1920), Quelle: BBKL)....... wird fortgesetzt.