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►Das Evangelium
Modern stilisiert
Berlin-Charlottenburg: Vita Deutsches Verlagshaus 1912
Wortstimme:
"Bevor die Welt erschaffen ward, war schon der Weltgeist,
und der Weltgeist gehörte zu Gott! Und Gott und der Weltgeist waren eins!
Und abermals: der Weltgeist war vor der Schöpfung ein Teil von Gott!
Alles ist durch ihn erschaffen worden, und es gibt keine Kreatur,
die nicht durch ihn geschaffen ward!
In ihm war die Lebenskraft, und die Lebenskraft war das Licht für die Menschen!
Und das göttliche Licht leuchtete so stark in der Finsternis,
daß auch die Finsternis es nicht verdunkeln konnte."
(Ev. Johannes 1)
Zum Buch:
Alle vier Evangelien sind in diesem Kleinoktav- Band übersetzt. Gesetzt ist in fetter Fraktur. Kapitelzahlen gibt es, Verszahlen sind jedoch weggelassen. De Jonge bemühte sich um eine Übersetzung, die aus jüdischem Blickwinkel angefertigt ist; dabei ging er jedoch, was z. B. die Übertragung der Namen um die Verweise aus der Hebraica anbetrifft, nicht konsequent vor: Das griechische »Jesus« , nur einmal mit Jeschua = Gotthilf erklärt, bleibt so stehen, andere Namen, wie »Zacharias« sind in den Originalzustand, nämlich »Sacharja« versetzt..........(wird fortgesetzt)
Die Synagoge an der
Löwenstraße in Zürich, eingeweiht, als de Jonge 20 Jahre alt war: die Portalinschrift schreibt Jesaia 56:7. Im MarkusEv. zitiert Jesus diese Stelle im Tempel nahezu vollständig. Hier nach de Jonge:
(„Steht doch geschrieben:) Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden!" (Kap.11)
Zur Person:
Der Millionärs- und Bankierssohn Morris de Jonge, später promovierter Jurist, Schriftsteller und Journalist, Sohn des Kölner Rabbiners Jakob de Jonge, schrieb seit 1885 in der agrarisch-konservativen „Kreuzzeitung". Er entwickelte sich zu einem leidenschaftlichen Antisemiten.
Als 24jähriger Rechtsreferendar in Köln hatte er sich mit seiner Familie zerstritten. Nachdem er einige ungehörige Schmähbriefe an seine Verwandten geschickt hatte, war er am 23.10.1889 in die Schöneberger Privatirrenanstalt "Maison de Santé" eingeliefert worden, aus der er am 24.061890 (nachdem er vorgegeben hatte sich wieder mit seiner Familie zu versöhnen), als "gebessert" - nicht "geheilt" - entlassen wurde. Die hochkonservative "Neue Preußische Zeitung" (Kreuzzeitung) bot ihm dann 1890 die Möglichkeit, seinem Fall in einer Reihe von Artikeln mit der Überschrift "Ein Akt moderner Tortur. Die Wahnbriefe" darzulegen. In seinen Artikeln legte er dar, daß er auf Betreiben einer Reihe den jüdischen Börsenkreisen in Köln, Paris und Berlin angehörigen Personen, an deren Spitze sein eigener Vater, der frühere Bankier und jetzige Rentner Jakob de Jonge stand, in die Irrenanstalt eingeliefert worden sei. Auch der an der Zwangseinweisung beteiligte Berliner Kreisphysikus Dr. Abraham Baer war ein Jude. In den fraglichen Briefen, die den Anlaß zu seiner Einweisung in die Irrenanstalt boten, habe er, Morris de Jonge, sich "in scharfen Worten über den platt-materiellen und idealitätslosen, von Geldsucht und Gelddünkel erfüllten, vaterlandslosen und in vieler Hinsicht für die deutsche Kultur geradezu gefährlichen Geist, der innerhalb der internationalen Börsenkreise genährt wird", ausgesprochen. "Der Zweck des Vorgehens" gegen ihn sei gewesen, sein "literarisches Eintreten für die Berechtigung eines maßvollen Antisemitismus, insbesondere soweit er sich gegen das internationale jüdische Börsenjudenthum richtet, zu verhüten." "Ebenso sollte offenbar" - so de Jonge - "mein beabsichtigter Uebertritt zum Christenthum, wenn auch nicht verhütet, so doch als der Schritt eines Unzurechnungsfähigen hingestellt werden."
Er konvertierte dann auch 1890 zum Christentum (sein Taufname war Christoph). Ein paar Jahre später gab er seine Verfolgungsidee wieder auf und wandte sich wieder dem Judentum zu. Noch immer excentrisch, verfaßte er eine Schrift, in der er das unmittelbar bevorstehende Erscheinen des Messias verkündigte. Eine Rückkehr zur Synagoge wurde ihm 1902 verwehrt, ebenso eine Mitgliedschaft in einer der zionistischen Vereinigungen. Zur Zeit der Abfassung der Evangelien war er innerlich schon wieder zum Judentum zurückgekehrt.
Aus einem Artikel: "Wer ist Jude?"
von Ronen Reichman (Materialdienst Evangelischer Arbeitskreis Kirche & Israel)
Theodor Herzl selbst, der sich so vehement gegen jede Fusion von Religion und Staat eingesetzt habe, der nicht von einem jüdischen Staat, sondern vom Staat der Juden gesprochen habe, habe in einem Brief vom 12. September 1897 ohne jede weitere Begründung entschieden, dass der Antrag eines zum Christentum konvertierten Juden, Moritz de Jonge, auf Mitgliedschaft im zionistischen Verein abzulehnen sei.
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