|
►Das Lied der Lieder שיר השירים
In Deutsche Verse übertragen und erläutert von Leopold Marx
Vorwort von Albrecht Goes
Stuttgart: Philipp Reclam Jun. © 1964 Universal Bibliothek RUB Nr. 8896
Wortstimme:
Lege, ein Siegel, mich
du auf dein Herz!
Tu als ein Siegel mich
auf deinen Arm!
Todesmächtig,
du, ist die Liebe —
hart wie die Hölle
ist eifernde Qual.
Gluten Feuers
sind ihre Gluten,
Flamme des Herrn.
Wassers Fülle
löscht nicht die Liebe,
breite Ströme
ertränken sie nicht.
Wollte um Liebe
hingeben einer
all seines Hauses
Schätze — ihn träfe
Spott nur, nur Spott.
VIII: 6- 7
►Das Lied der Lieder (Das Hohelied) שיר השירים
In Deutsche Verse übertragen und erläutert von Leopold Marx
Vorwort von Albrecht Goes
Stuttgart: Philipp Reclam Jun. © 1964 Universal Bibliothek RUB Nr. 8896
2. Auflage; überarbeiteter Neudruck 1983
Wortstimme:
►Die Lobgesänge • Das Buch der Psalmen
aus dem hebräischen Urtext neu übertragen (von Leopold Marx)
Herausgegeben in Verbindung mit der Deutschen Schillergesellschaft von Nathan Peter Levinson
Gerlingen / Württ.: Bleicher Verlag. 1. Auflage 1987
Wortstimme:
Ein Lied Assafs.
ER, Gott, der Herr- Gott, er hat geredet,
hat aufgerufen das Erdland
von der Sonne Aufstrahlen
bis wo sie versinkt.
Von Zion, der Schönheit Inbegriff her
tritt Gott in Erscheinung,
er kommt, unser Gott, und nicht schweigt er.
Vor ihm her frißt ein Feuer,
rings um ihn stürmt es gar sehr.
Er ruft hochhin über den Himmel
und über das erdland, zu rechten
mit seinem Volk:
»Versammelt mir meine Getreuen,
die über dem Schalchtmal
den Bund mit mir schlossen!«
Seinen Wahrspruch melden die Himmel,
denn er selbst ist der Richter, Gott. Sela.
»Hör zu mein Volk, ich will reden,
Zeuge sein, Jisrael, wider dich,
ich Gott, dein Gott.«
Der fünfzigste Lobgesang
Zum Buch:
...................................
Zur Person:
»Ein Leben war's, und Heimat war's und Leids/ und Glücks genug ... Schön war's, schlimm war's –/ vorbei!« Mit diesen Versen aus seinem Gedicht »Entrinnen« verabschiedet sich Leopold Marx im Oktober 1939 aus seiner geliebten Heimatstadt Stuttgart und rettet sich nach Palästina. Marx gilt als bedeutender schwäbisch-jüdischer Lyriker und Schriftsteller.
Marx ist der älteste Sohn von Eduard und Babette Marx, sie zählen zu den wohlhabenden Familien in Bad Cannstatt. Nach dem frühen Tod des Vaters muss der Zwanzigjährige als ältester Sohn von vier Geschwistern die Leitung des Familienbetriebs »Mechanische Bandweberei Gutmann und Marx« mit Sitz in Bad Cannstatt und Neuffen (Kreis Esslingen am Neckar) übernehmen. Während des Ersten Weltkriegs gerät Marx 1916 in dreijährige französische Gefangenschaft; hier entstehen seine ersten Gedichte. Hermann Hesse, der von Bern aus eine Kriegsgefangenen-Fürsorge leitet, wird Marx' Förderer und hilft beim Abdruck der ersten Gedichte. Nach gelungener Flucht aus Nordfrankreich 1919 arbeitet Marx wieder im Familienbetrieb, nebenbei verfasst er Verse und Artikel für verschiedene Zeitungen. Die Jüdische Rundschau und andere Blätter drucken seine Arbeiten, die stark von Marx' zionistischen Überzeugungen geprägt sind. 1926 gründet er zusammen mit seinem Freund Otto Hirsch den »Verein Jüdisches Lehrhaus Stuttgart«. Als die Synagoge Cannstatts in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wird, soll Marx der jüdischen Gemeinde sein Haus als Ersatz angeboten haben. Am 14. November wird er für 18 Tage im Konzentrationslager Dachau inhaftiert: »Der Dachauer Tod ist der Tod beim Appell .../ doch – es stirbt sich auch gut im Revier.« Anfang 1939 wird die Firma arisiert und die Familie zum Verkauf ihrer Grundstücke gezwungen. Nach einer zweiten Inhaftierung durch die Gestapo im Mai 1939 reisen Marx' Söhne nach Palästina aus. Als der Dichter und seine Frau Judith endlich folgen können, sind, nach dem Ausbruch der Zweiten Weltkriegs, die zuvor gekauften Karten für die Überfahrt verfallen. Mit viel Glück können sie noch Tickets für einen Flug von Brindisi nach Haifa erwerben. Am 6. Oktober 1939 erreichen sie Palästina. Marx' Mutter Babette und zwei ihrer Brüder werden am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie innerhalb weniger Monate umkommen. In Palästina arbeitet die Familie im landwirtschaftlichen Kollektiv Shavej Zion, wo Marx in der Landwirtschaft tätig ist. Das Kriegsende 1945 feiert Marx aus der Ferne: »Leben wächst aus Tod.« Zeitlebens schreibt der Schriftsteller in seiner deutschen Muttersprache. 1964 erscheint seine lyrische Übertragung des »Lieds der Lieder« in Reclams Universalbibliothek und wird vom Stuttgarter Komponisten Georg von Albrecht vertont. In der Waiblinger Straße 12 in Bad Cannstatt, wo sein im Krieg zerstörtes Geburtshaus stand, erinnert seit 1985 ein Gedenkstein an den Künstler. (cp; aus www.zeichen-der-erinnerung.org)
|