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Stadler, Alisa PDF Drucken
Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 07:22 Uhr
 Stadler, Alisa  Lisa Maria  (* Steinamanger / Ungarn 22. Nov. 1914  11. Aug. 1996  Wien / Austria)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umschlag Ausgabe 1998
mit Bildinitiale Ps. 23

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 »Die jüdische Psalmsängerin unserer Tage« Schalom Ben Chorin über Alisa Stadler

 

►Die Berge tanzten. Die Psalmen
Aus dem Urtext übertragen
mit einem Vorwort von Schalom Ben- Chorin
Wien / Austria: Herold Druck- und Verlagsgesellschaft 1986
 
Wortstimme:
Herr, eine Zuflucht bist Du uns
von Anfang an gewesen.
Ehe noch Berge geboren,
bevor Du Erde und Erdkreis geschaffen,
von Ewigkeit zu Ewigkeit bist Du Gott.
Zurück zum Staub führst Du den Menschen
und sprichst: kehrt um, ihr Menschenkinder.
Denn tausend Jahre sind in Deinen Augen
dem Gestern gleich, da es verging,
wie eine Wache in der Nacht.
(Psalm 90)
 
Zum Buch:
 Das Buch ist in Oktav hergestellt und gebunden mit Schutzumschlag. Schalom Ben Chorin, der jüdische Religionsphilosoph, schrieb ein sehr interessantes achtseitiges Vorwort. Darin er einen kurzen Abriss über die Psalmenrezeption und weiterhin über die Geschichte hauptsächlich der jüdischen Psalmenüs. Mit M. Luther beginnend, erschließt er die Übertragungen von Mendelssohn, Michael Sachs, S.R. Hirsch, E.B. -Cohn, M. Spanier und M. Buber; bis hin zur Guten Nachricht und R. Guardini/ H. Junker. (Leider sind dem "Sohn der Freiheit" hier zwei kleine lapsi bzgl. Erscheinungsdaten unterlaufen, was der Bereicherung aber keinen Abbruch tut: Meir Spaniers Psalmen erschienen nicht 1938, sondern bereits 1922; M. Buber vollendete seine Preisungen nicht nach Kriegsende, sondern bereit 1935.)
Selbstredend wird Alisa Stadlers Werk gebührend eingeleitet und gewürdigt; Ben Chorin reiht sie ein in die großen Frauen der Psalmdichtung aller Jahrhunderte.
Es folgen Übertragungen aller Psalmen; diese sind versweise angeordnet. Psalmüberschriften und Versangaben wurden nicht mitgegeben; beim nachträglichen Beversen zeigte sich, daß folgende Vv ausgelassen sind, wohl eher aus Versehen: 18: 11. 41; 22: 6; 72: 20; 105: 4 und 118: 9.
(Die meisten sind in der zweiten Aufl. nachgetragen).
Alisa Stadler schrieb am Schluß des Buches ein hochinteressantes Nachwort (Wien, im Oktober 1985), eine Art Vita: "Von der Schauspielerin zur Psalmenübersetzerin". Darin erzählt sie Wesentliches über ihre jüdische Herkunft und darüber, wie sie zur Judaistik und schließlich zum Übersetzen der Psalmen kam. Namen wie die Professoren Kurt Schubert, Wilhelm Dantine und Claus Schedl spielen dabei eine herausragende Rolle. Beide, Vor- und Nachwort geben dem Buch einen äußerst lebendigen Rahmen, der zur Lektüre dieser Übertragung besonders einlädt. Überdies findet sich am Schluß des 304 Seiten starken Werkes eine Kurzeinleitung über die Psalmen unter dem Titel "Zu diesem Buch".
 
 

Die Psalmen
Aus dem Urtext übertragen
Mit Illustrationen von Elke Staller

Innsbruck  / Tirol: Verlagsanstalt Tyrolia 1998

 
  Wortstimme:
AUS DER TIEFE rufe ich, Herr, zu Dir!
Gott, höre meine Stimme!
Öffne Deine Ohren meinem Flehen.
Wenn Du an alle Sünden denkst,
Herr, wer könnte dann bestehen?
Doch Du verzeihst, damit man Dich fürchte.
Ich hoffe, Herr, es hofft meine Seele,
ich hoffe auf Sein Wort.
Meine Seele erwartet den Herrn,
mehr als die Wächter den Morgen.
Israel hofft auf den Herrn,
denn bei Ihm ist die Gnade und Erlösung in Fülle.
Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.
(Psalm 130)
 
 
Zum Buch:
Im Buch findet sich - dem Herausgeber sei es geklagt  - kein Hinweis auf die jüdische Autorin; Alisa Stadlers höchst interessanter Bericht über die Hintergründe dieser Arbeit  wurde aus der Erstausgabe nicht übernommen; das ausführliche Vorwort von S. Ben Chorin ist ebenfalls nicht abgedruckt. Es lohnt sich in jedem Fall, die (leider etwas fehlerbehaftete) Erstausgabe zu erwerben, es ei denn, man möchte auf  Elke Stallers wunderschöne Bildinitialen nicht verzichten.
Der Text aus der ersten Ausgabe (s. o.) wurde an einigen Stellen berichtigt und nahezu alle fehlenden Verse wurden ergänzt, vergessen wurden Kap. 18: 41 und 118: 9. Die Verse selbst sind nicht gezählt.
Diese zweite Auflage ist etwas kleiner als die O- Ausgabe, aber ebenfalls im Oktav- Format (gebunden, die Seiten sind nicht gezählt.) Das gesamte Buch ist sehr bibliophil hergestellt (alle Seiten in Hochglanz) und ein Genuß nicht nur zum Lesen!
Der Jesuit Pater Prof. Dr. Georg Fischer S. J. schrieb ein dreieinhalb- seitiges Vorwort. Darin leitet er allgemein in das Buch der Psalmen ein. Über die Bilder, die Mag. Elke Staller als >Initialen< vor den Textanfang setzt schreibt Fischer u. a.: Dabei entspricht ein Bild zu Beginn in zweifachem Sinn zuerst dem, was die Psalmen ausmacht: Zum einen verwenden sie selbst oft Bilder und sprechen damit den ganzen Menschen mit all seinen Sinnen an. Zum anderen haben die eigentlichen Anfänge der Psalmen (ihrer Textkorpora, nicht der redaktionellen Bemerkungen zuvor, die in der Übertragung von Alisa Stadler auch weggelassen sind) vielfach eine leitende Funktion, vergleichbar mit Überschriften.Beide Züge - die Bildhaftigleit der Psalmen sowie die Rolle mancher Beginne als Überschriften - verbinden sich in den thematischen Initialen dieser Ausgabe.
 
 

Das Hohelied und das Buch Ruth
Aus dem Hebräischen
Mit einem Nachwort von Johannes B. Bauer (*Wien 1927 † 2008 Graz)

Salzburg und Wien: Residenz Verlag 1990

 
  Wortstimme:
Da fiel Ruth auf ihr Angesicht, beugte sich zur Erde und sprach:
»Wieso habe ich bei dir Gefallen gefunden, daß du mich
zur Kenntnis nimmst, bin ich doch eine Fremde?«
Da antwortete Boas und sagte ihr:
»Ich habe alles erfahren, was du für deine Schwiegermutter
nachdem Tod deines Mannes getan hast.
Du hast deine Eltern und deine Heimat verlassen
und bistbzu einem Volk gezogen, das du vorher nicht kanntest.
Der Herr vergelte dir, was du getan — dir möge voller Lohn
vom Gotte Israels zuteil werden, unter dessen Flügeln
du dich zu bergen kamst.« »Wenn ich nur Gefallen in deinen
Augen finde, mein Herr, denn du hast mich getröstet,
du hast zum Herzen deiner Magd gesprochen, und ich bin
nicht einmal eine deriner Mägde.«
(Ruth 2)
 
 
Zum Buch:
Der schmale Oktavband (gebunden, 32 Seiten) beinhaltet die beiden Bibeltexte ohne Beigaben. In einem Nachwort schrieb der römisch- katholische Bibelwissenschaftler Dr. Johannes Baptist Bauer für beide Bücher eine Art Wirkungsgeschichte. Darin werden Erfahrungen und Deutungen von jüdischer und christlicher Seite erzählt.
 

Hiob - Der Mensch in seinem Leid
Illustrationen von Patricia Karg (*Innsbruck / Tirol 1961)
Innsbruck / Tirol: Verlagsanstalt Tyrolia 1992
 
Wortstimme:
Kannst du Gott erforschen, die Absicht des Allmächtigen ergründen?
Himmelshöhen — was erreichst du? Tiefer als die Unterwelt
was weißt du denn? Länger als die Erde ist ihr Maß, breiter als
das Meer. Wdenn Er vorbeizieht, gefangen setzt und aufruft zum Gericht,
wer hält Ihn da zurück? Denn Er durchschaut die Menschen.
Er sieht Vergehen, sollte Gott nicht darauf achten?
Ein hohler Mann kann herzhaft werden, geboren wir er wie ein wilder Esel.
(Zofar in Kap. 11)
 
Ach, würden meine Worte aufgeschrieben und eingezeichnet in ein Buch.
Mit einem Stift aus Blei und Eisen für immer in den Felsen eingraviert.
Denn ich weiß, daß mein Erlöser lebt, als letzter wird er aus dem Staub
erstehen. Dann werde ich — auch wenn mir Haut und Fleisch zerschlagen
Gott schauen, den ich erschauen werde, und meine Augen werden sehen,
nicht eines Fremden. Mein Innerstes im Leib wird sich verzehren.
(Hiob in Kap. 19)
 
Zum Buch:
Der farbig kartonierte Oktavband bringt den Schrifttext pur und ohne Beigaben. Immerhin sind Kapitelangaben vorhanden. Alisa Stadler schrieb ein zweiseitiges Vorwort, in dem sie kurz auf den Inhalt des Buches und seine heutige Aktualität eingeht.
Über die  "akademische Bildhauerin und Maleri" Patricia Karg kann man sich am besten informieren, wenn man ihre Webseite besucht: www.karg-patricia.com.
 
 
Weiterhin schrieb Alisa Stadler ein Buch mit Geschichten aus dem osteuropäischen Judentum:
 
 
Ein Platz im Paradies
Chassidische Geschichten
mit Bildern von Patricia Karg
Innsbruck / Tirol: Verlagsanstalt Tyrolia 1990
 
Zur Person: 
Der "Mährische Rabbi" Menachem Mendel Zamach Zedek KROCHMAL, um 1600 in Krakau geboren, war der berühmteste Vorfahr von Marialiese, die dem Dr. Wilhelm Stadler von seiner Ehefrau, der Hamburger Jüdin Frieda "Fritzi" Goldschmidt, geboren wurde:
Alisa Stadler war mit dem österreichischen Staatspreis (1989) ausgezeichnete Übersetzerin aus dem Hebräischen und augebildete Schauspielerin. Sie wuchs in Perchtoldsdorf südl. Wien auf, verbachte aber lange Jahre bis zur Rückkehr ihres Vaters aus der Kriegsgefangenschaft 1920 bei Verwandten in Eisenstadt / Burgenland und in Hamburg. Bereits in der Schule erlebte sie als einzige Jüdin der Klasse schroffen Antisemitismus, auch "befeuert" durch unbedachte Äußerungen des katholischen Geistlichen, der den Religionsunterricht abhielt. Nach dem Anschluß der "Ostmark" an das Deutsche Reich floh sie mit ihrem Mann, dem Arzt Dr. Gustav Stern, und ihrer Tochter Ruth Eva nach Israel. Dort bekam sie - aufgrund ihrer bereits in Wien erlernten Hebräischkenntnisse-  ein Engagement beim Rundfunk in Tel Aviv. Mit ihren mittlerweile zwei Töchtern beschloß sie, obwohl ihr Mann 1954 nach den USA auswanderte, dennoch in Israel zu beliben. Doch nach dem plötzlichen Tod ihrer jüngsten Tocher Noomi Elanor 1955 reiste sie zurück nach Wien, wo sie die Lackfabrik ihres Vaters nach dem Tod der Mutter weiterführte. Dort in Wien begann sie sich für Judaistik zu interessieren, nicht zuletzt durch Vorträge des katholischen Judaistikprofessors Kurt Schubert (1923 - 2007).
Über die Judaistik fand sie zur Bibel und las bald Bibeltexte im Österreichischen Rundfunk. Das Lesen der Bibel war auch mitverantwortlich für ihre gläubige Hinwendung zum Gott Israels. Sie las im Zusammenhang mit einem Referat des Orientalisten Prof. Dr. Claus >Schedl aus dessen Ps.-übersetzung von 1964 (hier im BB beschrieben). Nachdem sie während einer Martin- Buber- Feier aus dessen Übertragung der Preisungen mit selbsterarbeiteten Texterleichterungen vorgetragen hatte, war ihr erster "eigener" Psalm (139) entstanden. So ebnete sich ihr Weg zur Psalmenübersetzerin aus dem Vortragen der alten Texte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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