| ►Die Psalmen
übersetzt und erläutert
Berlin: Verlag von Veit und Comp. 1835
Anm.:
Die Übersetzung von Psalm 68 stammt von ***Rückert, Friedrich (* Schweinfurt / Ufr. 1788 † 1866 Neuses b Coburg).
Wortstimme:
"Gebet von Mose, dem Manne Gottes.
Herr, eine Ruhstatt bist Du gewesen uns
In allen Geschlechtern.
Ehe denn die Berge wurden geboren,
Und kreisten Erd' und Weltall;
Und von Ewigkeit bis Ewigkeit bist Du, Gott.
Du wendest den Sterblichen bis an Zermalmung,
Und sprichst: kehret zurück, Söhne des Menschen.
Denn ein Tausend der Jahr' in Deinen Augen,
Wie Tag des Gestern, wenn er vorbei,
Und eine Wache in der Nacht."
(90: 1-4)
"Dem Sangmeister. Von David. Psalm.
Es erhebt sich Gott, es zerstäuben seine Feinde
Und es fliehen seine Hasser weg vor ihm.
Wie das Hintreiben des Rauches du hintreibst,
Wie das Hinschmelzen des Wachses vor dem Feuer
Umkommen Frevler vor Gott.
Und die Gerechten, sie freuen sich, frohlocken
Und jauchzen vor Wonne.
Singet Gott'! Saitenspielet seinem Namen!
Bahnet dem Fahrenden in den Steppen!
Im Jah ist sein Name; und frohlocket vor ihm!“
(68: 1-5 übertragen von Friedrich Rückert)
Zum Buch:
Diese Psalmen- Übersetzung ist die zweite Arbeit aus jüdischer Feder in hochdeutscher Sprache. (Die erste stammt von Moses >Mendelssohn). Sachs hatte seinen Entwurf dem Übersetzer, Dichter und Orientalisten Friedrich Rückert vorgelegt. Dieser hatte neben der Übersetzung des Koran (siehe unten) auch eine eigene Ps- Üs entworfen; dieses Werk wurde aber nie veröffentlicht. Rückert äußerte sich sehr wohlwollend über diese Arbeit. Sachs hat denn auch sein Buch " Friedrich Rückert, dem westöstlichen Dichter, dem sprachgewaltigen Meister des Uebersetzens und Auslegens, in innigster Bewunderung und Verehrung gewidmet".
Aus der beidseitigen Korrespondenz zur Übersetzungsarbeit ergab sich dann, daß Sachs anstelle seiner eigenen Version des 86. Psalms die des gewandteren und dichterisch erfahreneren Kollegen drucken ließ. In der revidierten Form, wie in der Zunz- Bibel enthalten, stammt der Ps dann wieder aus der Feder von Sachs.
Sachs schreibt in der Vorrede des Oktavbandes: "Als diese Übersetzung begonnen wurde, schwebte zunächst die Absicht vor, der hergebrachten paraphrastischen Weise, der es mehr um eine ungefähre Relation des Inhaltes, als um die Wiedergabe des Originals nach seiner besonderen Eigenthümlichkeit in Gliederung der Redemassen und Wahl und Gehalt der einzelnen Worte zu thun ist, ein eben diesen letzten Anforderungen entsprechenderes, getreueres Abbild des Urtextes entgegen zu stellen." Siebeneinhalb Seiten verwendet Sachs, um seine Üs. zu begründen. Er drückt seine Bewunderung für Rückerts Übersetzerkunst aus und setzt sich mit Heinrich Ewalds (1803-1875) Übertragungskunst auseinander. Seine eigene Übersetzung ist versweise (in Fraktur) gesetzt, zu wenigen Psalmen schreibt er Anmerkungen. Um diese in vollem Umfang zu verstehen, sollte man des Hebräischen mächtig sein.
*** Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun:
Friedrich Rückert übersetzte unter anderem 1822 den Koran. Anno Domini 1888 wurde dieser anläßlich Rückerts 100. Geburtstags beim Verlag Sauerländer in Frankfurt am Main posthum von August Müller (1848 - 1892) herausgegeben. Neuerdings, 2009, ist diese sehr poetische Übertragung bei Anaconda Verlag, Köln, wieder erschienen. Ein anderer Bibelübersetzer, der ebenfalls den Koran übertrug, war der Jude Lazarus >Goldschmidt. Siehe dort.
►Die Psalmen
übersetzt. (hebr. / deutsch)
Durchgesehen von Prof. Dr. Abraham >Sulzbach
Frankfurt am Main (Rödelheim): Druck und Verlag von M. Lehrberger & Co. o. J. (1907)
Wortstimme:
"Gebet von Mosche, dem Manne Gottes.
Herr, Zuflucht bist du uns gewesen in allen Geschlechtern.
Ehe denn die Berge gebren wurden und Erde und Weltall kreißte,
und von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.
Du führst den Sterblichen bis zur Zerknirschung und sprichst:
Kehret zurück, Menschenkinder.
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag,
wenn er entschwunden, und eine Wache in der Nacht."
(Psalm 90: 1-4)
zum Buch:
.......................
Stolperstein:
Das Buch der Psalmen als Geschenk zum Lichterfest in dunkelster Weltnacht...............
Dieses Büchlein enthält eine handschriftliche Widmung in Sütterlin; sie ist hier, soweit lesbar, wiedergegeben:
Anm.:
Es handelt sich hier mit höchster Wahrscheinlichkeit um den letzten Vorsitzenden des »Verein zur Wahrung (des gesetzestreuen Judentums Baden)«, Mannheim, Prof. Karl David Darmstädter. Der im Dez. 1938 derart beschenkte Herr Salo(mon) Frank konnte noch nach Israel auswandern.
Letzlich zurückgekauft wurde das Buch von einem Antiquar aus Tel- Aviv........Karl D. Darmstädter, geb. am 25. Sep.1892 in Birkenau / Bergstraße, emigrierte über die Niederlande in die USA (1939/ 1940); er ließ sich nieder in Washington, D.C. Soweit bekannt, hatte er an der dortigen Howard University eine Professur in deutscher Literatur inne.......
Sachs war auch Mitarbeiter der Übersetzergemeinschaft, die unter der Redaktion von Dr. Leopold Zunz die sog. >Zunz - Bibel herausbrachte (1838).
Hier zeichnete er für die Üs der Bücher Deuteronomium, Josua, Richter, Samuel, Jesaia, Joel, Amos, Habakuk, Zephania, Haggai, Maleachi, Hohelied, Klagelieder und Psalmen (revidiert, siehe dort) sowie, zusammen mit J. >Fürst, Jeremia verantwortlich.
Sachs' für die Zunz-Bibel revidierte Psalmenübersetzung erschien während der Zeit des Ersten Weltkrieges noch einmal als Separatdruck:
¶ Die Psalmen in deutscher Übertragung
Berlin: Louis Lamm's Jüdische Feldbücherei 1915
P.S.:
Eine weitere Ausgabe dieser Art, also eine Art Feld- Psalmenbüchlein wurde von B. >May und J. B.> Levy ebenfalls zu jener Zeit herausgegeben. Siehe dort!
Die von Leopold Zunz redigierte Psalmenübersetzung von Michael Sachs ist auch Bestandteil einer vielbändigen Reihe mit dem Titel "Derek mesilah", die unter >Mendelssohn & Nachfolger näher beschrieben ist.
דרך מסילה
עם תרגום אונקלוס ותרגום אשכנזי ופירש רש”י
פיורדא שנת ת”ר”א לפ” ק / שנת ת”ר”ב לפ”ק
Derek mesilah [=erhöhete Straße / gebahnter Weg]
mit Targum Onkelos und deutscher Übersetzung samt Raschis Kommentar.
(Fjorda =) Fürth/ Mittelfr.: Druck u. Verlag von D. Zürndorffer u. J. Sommer. 1843
ספר תהלים ♦ ספר זמירות ישראל ►Buch der Psalmen ♦ Buch der Lieder Israels
ספר ראשון Erstes Buch (Ps. 1 - 41)
[redigiert von Leopold Zunz nach der Übersetzung von Michael Sachs]
Zur Person:
Michael Jechiel stammte aus einer Familie, die ursprünglich aus Stendal stammte, von dort aber etwa 1510 vertrieben wurde oder Pogromen zum Opfer fiel. Seine Mutter Sara geb. Samson gebar außer ihm noch zwei Mädchen. Der Name Sachs ist ein Akronym: Die Anfangsbuchstaben ergeben in der deutschen Übersetzung den Hinweis auf "Die Nachkommen der heiligen Märtyrer aus Stendal" (siehe Name im Titel). Bis zum zehnten Lebensjahr wurde er auf Grund einer sehr kränklichen Konstitution im Elternhaus unterrichtet, besuchte dann das evangelische Gymnasium in Glogau, wo er 1826 das Maturazeugnis erhielt. Seine besonderen Interessen galten nicht eben dem Kaufmannsberuf, den er in der Tradition des Vaters Hirsch Levin hätte erlernen sollen, sondern den klassischen Sprachen einschliesslich des Hebräischen sowie der klassischen Literatur. Noch in Glogau erwarb er das "morenu"- Diplom, das aufgrund der rabbinischen Studien an einer Jeschiwa verliehen wird.
Er entschied sich 1827 für ein klassisch humanistisches Studium an der Philosophischen Fakultät der Königl. Friedrich- Wilhelm- Universität zu Berlin. Neben Altertumskunde, Geschichte und Philosophie belegte er Hebräisch und Syrisch. Er hörte u.a. bei Georg F. W. Hegel, Fr. Schleiermacher, und Leopold von Ranke. Großen Einfluß auf ihn hatte August Boeckh's philologisches Seminar. Eine erste biblische Arbeit ließ er 1834 veröffentlichen: "Zur Charakteristik und Erläuterung des Buches Hiob", in dem er sich mit W. M. L . de Wettes Hiobstudien auseinandersetzte.
Im Wintersemester 1834 / 35 hörte er bei Leopold >Zunz Vorlesungen über die Psalmen. Offenbar faßte er zu dieser Zeit zusammen mit Heymann >Arnheim den Plan, eine Bibelübersetzung zu schaffen. Diese konnte in Verbindung mit anderen Gelehrten unter Redaktion von L. Zunz in Angriff genommen werden und war Ende 1837 fertiggestellt.
Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen konnte er schliesslich die Stelle des Predigers am Tempel (Altschul- Synagoge) in Prag erhalten. Vorher hatte er noch in Berlin Henriette Lehfeldt geehelicht. Hier war er wegen seiner homiletisch geprägten Predigten und seiner Abgrenzung von der Reformbewegung nicht unumstritten. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Christen hörte ihn gerne predigen, was aber schliesslich auf Betreiben des Erzbischöflichen Konsistoriums untersagt wurde. Ende 1844, nachdem er einen Ruf nach Berlin erhalten hatte, verabschiedete er sich von seinem Amt in Prag. Der Synagogenvorstand hatte ihn vergebens um die Weiterführung seines Dienstes gebeten. Der Abstand von Berlin, der als eng empfundene geistige Horizont Prags und die Sehnsucht nach dem intellektuellen Klima Berlins hatte ihn bestärkt, jenen Ruf dorthin anzunehmen.
Zurück in Berlin wurde er zum zweiten Rabbinatsassessor (dajjan) gewählt; somit gehörte Predigen sowie die Überwachung des Religionsunterrichts zu seinen vornehmlichen Aufgaben. Innerhalb dieser Jüdische Gemeinde gab es bereits damals sehr kontroverse Strömungen von liberal bis orthodox; die deutsche Predigt sowie die Einführung der Orgel innerhalb des Sabbathgottesdienstes standen ebenfalls Mite des 19 Jhdts zur Diskussion. Sachs gehörte zur gemäßigt konservativen Richtung. Trotz aller Anfeindungen und Kritiken an seinem Amt schlug er vielfältige Rufe nach neuen Betätigungsfeldern in Frankfurt am Main, Leipzig, Wien und Pest schliesslich aus. Er blieb somit der einzige hauptamtliche Prediger der Berliner Hauptgemeinde. 1858 veröffentlichte er "Das Gebetbuch der Israeliten". Er starb, nachdem er bereits zwei seiner Söhne zu Grabe getragen hatte, viel zu früh 1864 im Alter von 56 Jahren an einer Virusinfektion. (>Bibliographie: Schad, M.)
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